Warum gerade Shanghai als Zielort seiner Flucht? Die ostchinesische Hafenstadt war zu jener Zeit der einzige Zielort auf der Welt, in dem flüchtende europäische Juden kein Visum vorlegen mussten. So drängten sich 1940, als der 30-jährige Bloch dort eintraf, nahezu 20.000 geflüchtete Juden aus ganz Europa in einem Ghetto zusammen. Wie alle anderen hatte auch Bloch unter den erschwerten Lebensbedingungen zu leiden: beengte Wohnverhältnisse, ungewohntes subtropisches Klima, Kulturschock, Hunger...
Fortsetzung des künstlerischen Schaffens
Trotz dieser Umstände entwickelte sich im Shanghaier Ghetto ein vielfältiges kulturelles Schaffen. Bloch wurde als Mitglied in die Vereinigung ARTA (Association of Jewish Artists and Lovers of Fine Art, Shanghai) aufgenommen. Hier fand er Anregungen und den Mut, sein Werk fortzusetzen.
Nicht zuletzt verhalf ihm sein bis heute währender grenzenloser Optimismus über diese prekäre Phase hinweg. Durch Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen wurde er bekannt. Aber erst die Veröffentlichung des Zyklus "Rikschas", in dem er 60 Holzschnitte zeigte, verhalf ihm 1942 zu hohem künstlerischem Erfolg.
Im Jahre 1997 erschienen die ca. 300 Holzschnitte Blochs mit den weiteren Zyklen "Yin & Yang – beggars and chinese children" mit dem vorangestellten Lebenslauf des Künstlers.
In den Jahren des Shanghaier Exils schuf Bloch aber auch eine Reihe von Aquarellen mit chinesischen Landschaftsmotiven und ein Ölgemälde von Shanghais bedeutender Uferpromenade.
Im Jahre 1946 lernte David Ludwig Bloch die gehörlose Chinesin Cheng Disia kennen. Sie heirateten.